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13.07.2017

Schweine
  Linda-Virus: Neues neurotropes Pestivirus in österreichischen Schweinen ent

  Wenn neugeborene Ferkel trotz ausreichender Wärmezufuhr ungewöhnlich stark zittern, leiden sie am sogenannten „Ferkelzittern“. Das Krankheitsbild ähnelt zwar dem der klassischen Schweinepest, ein viraler Hintergrund der Erkrankung konnte aber erst kürzlich mit einem in Europa und den USA identifizierten atypischen porzinen Pestivirus bestätigt werden. Forschende der Vetmeduni Vienna entdeckten nun ein weiteres, bislang unbekanntes Virus, das LINDA-Virus, in „Zitterferkeln“ eines österreichischen Betriebs. Der Erreger ist mit dem australischen Bungowannah Virus und entfernt mit Virus der klassischen Schweinepest verwandt.

In einem österreichischen Zuchtbetrieb kam es im Jahr 2015 bei neugeborenen Schweinen zu einem Ausbruch einer besonderen Form des „Ferkelzitterns“. Bei dieser Erkrankung, die zu massiven Verlusten führen kann, lösen schwere Schädigungen in Hirn und Rückenmark einen ungewöhnlich starken Tremor bei den Ferkeln aus. Als mögliche Ursache für dieses Krankheitsbild gilt ein vor kurzem in Europa und den USA gefundenes atypisches porzines Pestivirus. Dieses wurde von Forschenden der Vetmeduni Vienna mittlerweile auch in Österreich nachgewiesen.
Aufgrund der ausgeprägten Symptome bei den Ferkeln dieses Betriebs untersuchten Experten der Universitätsklinik für Schweine die Tiere auf dieses erst kürzlich beschriebene atypische Porzine Pestivirus (APPV). Trotz umfassender und spezifischer Analysen konnte weder dieser noch ein anderer bekannter Krankheitserreger als Ursache nachgewiesen werden. Da alle Symptome und Untersuchungsergebnisse jedoch auf die Beteiligung eines Pestivirus hindeuteten, wurde ein neuartiger, diagnostischer Test entwickelt, der schließlich zur Entdeckungen des neuen Pestivirus führte.

Unbekanntes Pestivirus in österreichischen Zitterferkeln gefunden

„Der von unserem Team neuentwickelte Nachweis erfasste alle bekannten Pestiviren“, erklärt Benjamin Lamp vom Institut für Virologie. „Und ermöglichte so den Nachweis eines bislang unbekannten Virus.“ Die vollständige Analyse der Genomorganisation, also des Aufbau des Erbgutes, sowie charakteristische Proteine kennzeichneten den neuentdeckten Erreger eindeutig als ein bislang unbekanntes Pestivirus aus der übergeordneten Familie der Flaviviridae. Dieses wurde aufgrund des seitwärts gerichteten Tremors und der Läsionen im Nervengewebe von betroffenen Ferkeln „LINDA“ (Lateral shaking Inducing NeuroDegenerative Agent) genannt.
„Pestiviren haben die besondere Eigenschaft, Feten von Schwein, Schaf und Rind zu infizieren, wobei auch das zentrale Nervensystem betroffen ist. Pestivirusinfektionen sind aber nur bei Klauentieren verbreitet und stellen keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar“, so Lamp. Gleichzeitig mit der Entwicklung des Nachweisverfahrens gelang dem Team mit Hilfe klassischer Zellkulturmethoden auch die Anzucht des neuartigen Pestivirus aus Organproben. „Das ist ein wichtiger Schritt um das neuentdeckte Virus weiter erforschen zu können“, so der Virologe.

Gefährliche Viren in der nahen Verwandtschaft des Linda-Virus

Bislang ist nicht bekannt, wie weit das neue Linda-Virus in der Schweinepopulation verbreitet ist. „Wir arbeiten gerade an einem neuen serologischen Test, um mehr über die Prävalenz, also die Häufigkeit an Krankheitsfällen durch das Linda-Virus, in Österreich zu erfahren“, sagt Lamp. Der Test ist auch insofern wichtig, da die Verwandtschaftsanalyse zu anderen Erregern das Virus der Klassischen Schweinepest (KSP) als entfernten Verwandten aufzeigte. Überschneidungen mit der amtlichen KSP-Diagnostik sind damit nicht auszuschließen.“ Es ist außerdem noch unklar, wie gefährlich das neuentdeckte Linda-Virus für die Schweinehaltung ist. „Da es jedoch auch die Gebärmutter von trächtigen Säuen infiziert, könnte es zu schweren Störungen bei der Hirnrinden-Reifung von Ferkeln führen, ähnlich wie bei einer Infektion mit dem Zikavirus“, so Institutsleiter Till Rümenapf. Genetisch gesehen, ist der nächste Verwandte jedoch ein „Australier“.
Die Phylogenetische Untersuchungen zeigten nämlich auch das 2006 in Australien beschriebene „Bungowannah Virus“ als Verwandten des Linda-Virus auf. Dieser Erreger wurde bislang ausschließlich in zwei benachbarten Schweinefarmen in Australien gefunden, führte dort aber zum Tod von über 50.000 Tieren. Dank umfangreicher Maßnahmen gelang es zwar die weitere Verbreitung des Erregers zu unterbinden. Die Betriebe erholten sich jedoch nicht vom Ausbruch des Erregers.
Der Erreger verbleibt in einmal infizierten Schweinen. Diese können das Virus somit lange weiter ausscheiden und sind hochgradig ansteckend für andere Schweine. Die Infektion mit Bungowannah Viren in der Gebärmutter führt zu Aborten und einer hohen Ferkelsterblichkeit, deren Ursache meist eine viral bedingte Herzmuskelentzündung ist. Neurologische Schäden oder „Zitterferkel“ konnten jedoch nicht beobachtet werden.
 
  
 
Quelle: "Veterinärmedizinische Universität Wien"
zur Verfügung gestellt vom Portal: "Tiergesundheit aktuell"


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